Visualisieren gegen Unternehmerstress? Das funktioniert wirklich! Meine Schritt-für-Schritt-Anleitung

Visualisieren gegen Unternehmerstress? Das funktioniert wirklich! Meine Schritt-für-Schritt-Anleitung

Unternehmerinnen und Menschen im Business sind ja Jongleure dutzender Bälle: Strategie, Liquidität, Kundenerwartunge, Teamführung, Kommunikation klarer Ziele etc. um nur einige zu nennen. Vor allem im Bereich “echte Klarheit, Ziele, die tatsächlich erreicht werden wollen und auch klar genug kommuniziert (nicht zuletzt an sich selbst) werden ist häufig ein großer Brocken, an dem vieles von Beginn an hapert).

Dauerstress, endlose To-do-Listen ergeben eine spürbare Last der Verantwortung: Dein Gehirn ist oft im Dauerfeuer-Modus. Was wäre, wenn du deinen größten Stressfaktor – dein Gehirn – dazu nutzt, dich nicht zu lähmen, sondern im Gegenteil: dich zu beflügeln? Was, wenn du nicht nur deinen Blutdruck stabilisierst (senken, falls nötig), sondern auch deine Entscheidungsfindung schärfst? 

Die Antwort liegt im gezielten Visualisieren. Und nein, das ist definitiv kein „Esoterik-Kram“, sondern angewandte Neurowissenschaft, mittlerweile viel beachtetes Tool für konstruktive Mindwork. Im Folgenden zeige ich dir, wie das funktioniert und beschreibe, warum das so ist – also welchen direkten Nutzen du bereits nach dem Lesen dieses Beitrags daraus ziehen kannst.

Warum Menschen ständig mental visualisieren – meist negativ

Der Unternehmer-Alltag sieht so aus: du setzt ein Ziel und im selben Augenblick hast du zig Argumente, warum das “schwierig” wird. 

Hand aufs Herz: Wie oft hast du dir schon ein Worst-Case-Szenario für ein Kundengespräch oder einen Produktlaunch ausgemalt? Das ist Visualisierung – nur leider in die falsche Richtung. Unser Gehirn nutzt Bilder, um Emotionen und Handlungen vorzubereiten und unterscheidet nicht, ob die Situationen real oder nur gedacht sind. Wenn du „Katastrophen-Kino“ betreibst, schüttet dein Körper dieselben Cortisol-Level aus wie bei echten Gefahren. 

Nochmal: Du visualisiert ständig – unbewusst und meist negativ!

Der Clou im Business-Kontext – in jedem Kontext – ist es, diesen Prozess umzukehren und proaktiv zu steuern.

Weshalb Visualisieren im Business wirklich funktioniert – und wie es im Gehirn wirkt

Warum nutzen Top-Athleten oder Formel-1-Fahrer diese Technik? Weil das Gehirn eben kaum einen Unterschied zwischen einer lebhaften Vorstellung und der Realität macht. Gründe dafür sind:

  • Neuroplastizität: Durch Visualisieren stärkst du neuronale Bahnen, noch bevor du physisch handelst. Schau dir zB diesen kurzen Clip an: https://www.instagram.com/p/DMLHGSoxnkP/
  • Fokus: Du trainierst dein Retikuläres Aktivierungssystem (RAS), Gelegenheiten zu erkennen, die dich deinen Zielen näher bringen. Das Gehirn aktiviert beim Visualisieren die gleichen Areale wie bei der echten Ausführung. Hintergrund: MRT-Scans zeigen, dass der visuelle Kortex und die motorischen Areale „feuern“, egal ob wir eine Handlung nur denken oder wirklich tun. Dies nennt man funktionelle Äquivalenz. Quelle: Studie von Dr. Biasiucci et al. (2018), veröffentlicht in Nature Communications, zur Wirksamkeit von mentalem Training auf die neuronale Plastizität.
  • Anwendungsbeispiele: Dazu gibt es zB die Klassiker-Studie von Blaslotto, bei der die Trefferquote für Basketball-Freiwürfe durch reines Mentaltraining/Visualisieren um 23% verbessert wurde, während die “Echt-Trainierer” 24% Verbesserung erzielten. Schau hier:  Dr. Alan Richardson / University of Chicago Study.
  • Wissenschaft dazu: Eine Studie der Cleveland Clinic Foundation zeigte, dass allein die mentale Vorstellung von Muskeltraining die Kraft um bis zu 35 % steigern kann. Stell dir vor, was das für deine Verhandlungsführung bedeutet!
    Wichtig: dein Körper reagiert auf deine Gedanken – und zwar immer! Wenn du bei Sichtbarkeit oder beim Thema “Verkaufen” Anspannung spürst, ist das genau, wovon hier die Rede ist: deine mentalen Bilder erzeugen reale Reaktionen. Genau das kannst du ändern.

Mythos: „Ich kann nicht visualisieren“ – warum das nicht stimmt

Viele Unternehmer glauben, sie müssten wie ein Hollywood-Regisseur gestochen scharfe 4K-Bilder vor dem inneren Auge sehen. Das ist ein Irrtum.

Aphantasie an – die Unfähigkeit, vor dem inneren Auge Bilder zu erzeugen betrifft weniger als 3% der Menschen. Eine Studie von Prof. Adam Zeman, University of Exeter (2015) zeigt das deutlich. Zeman prägte den Begriff Aphantasie und belegte die Seltenheit dieses Zustands. Der Rest der 97% kann visualisieren auch wenn sie es trainieren müssen!

Visualisieren bedeutet nicht zwingend „Sehen“. Es geht um das Erleben. Wenn du an den Geruch von frischem Kaffee denkst oder an das Gefühl eines festen Händedrucks nach einem erfolgreichen Abschluss, visualisierst du bereits. Es ist eine Fähigkeit, die jeder besitzt und die man wie einen Muskel trainieren kann.

  • Erinnere dich: du gibst ein Ziel aus – und schon fallen dir aus der Dinge ein, wie
    Erfahrungen aus der Vergangenheit die NICHT funktioniert haben. 
  • Argumente von dir oder anderen, warum das ungeeignete Ziele sind
  • Gefahrensituationen, die dir “einfach so” in den Sinn kommen…

Da du mit ziemlicher Sicherheit zu den Menschen gehörst, die visualisieren können, kommen hier Auswege – so dass du Ziele erreichst, Situationen meisterst und dich gesund durch den Business-Alltag bewegen kannst.

Mentales Visualisieren im Business: Die wichtigsten Techniken

Es gibt verschiedene Wege, die Technik im Alltag zu nutzen:

  1. Ergebnis-Visualisierung: Das Ziel am Ende (z. B. der unterzeichnete Vertrag).
  2. Prozess-Visualisierung: Den Weg dorthin (die einzelnen Schritte und die Überwindung von Hindernissen).
  3. Journaling: Das schriftliche Fixieren der inneren Bilder, um sie im Bewusstsein zu verankern.
  4. Das „Future Self“ Szenario: Du visualisierst dich selbst, wie du eine stressige Situation bereits erfolgreich gemeistert hast.
  5. Der „Notfall-Anker“: Ein kurzes mentales Bild, das du in akuten Stressmomenten abrufst, um den Herzschlag zu senken.
  6. Negative Prozess-Visualisierung: Du gehst nicht nur das Ergebnis durch, sondern die einzelnen Hürden (!), um mögliche Reaktionen vorab zu trainieren.

Die 5-Schritte-Methode für mentale Visualisierung

Schritt 1: Den Zustand wählen

Nimm die physische Haltung ein, die du in der Situation hättest. Achte in 9 von 10 Fällen auf einen entspannten Grundzustand. Nur wenige Situationen bedürfen einer hohen Spannung, das bezieht sich meist auf sportliche Aktivitäten. Wenn du auf die Bühne gehst oder eine Präsentation vor vielen Menschen hältst, brauchst du zuerst Entspannung, bevor du genau die richtige Spannung aufbauen kannst. Nur so kannst du danach wieder in eine gesunde Alltags-Spannung zurückkehren.
Du kannst nicht effektiv visualisieren, wenn dein Sympathikus (Kampf-oder-Flucht-Modus) auf Hochtouren läuft.
Praxis: Atme dreimal tief in den Bauch ein und aus. Schließe die Augen. Dein Ziel ist es, in einen Alpha-Zustand zu kommen – eine entspannte Wachheit. 

Schritt 2: Die Szene lebendig machen – die Umgebung

Wähle eine spezifische Business-Situation (z.B. eine wichtige Keynote). Sieh nicht nur das Bild, sondern aktiviere alle Sinne:

  • Auditiv: Was hörst du? (Applaus, deine ruhige Stimme)
  • Kinästhetisch: Was fühlst du? (Die glatte Oberfläche des Podiums, Selbstvertrauen in der Brust)
  • Olfaktorik: Was riechst du? Hinweis: der Geruchssinn ist eine oft unterschätzte Qualität, die, wenn du sie richtig einsetzt, ganze Szenen klar und deutlich aufleben lassen können. 

Wichtig: je detaillierter und spezifischer du hier bist, desto genauer reagiert dein Körper und desto klarer speichert dein Gehirn die gewünschten (neuen) Muster.

Schritt 3: Die Brücke zur Realität schlagen (Action Step)

Hast du die Umgebung für dich klar erschaffen kommt jetzt der entscheidende Schritt: Fokussiere dich auf die spezifische Aufgabe oder Handlung. Frage dich: „Was ist der erste kleine Schritt, den ich jetzt in der realen Welt tun kann, um dieses Bild wahr werden zu lassen?“ Visualisierung ohne Aktion ist Tagträumerei. Visualisierung mit Aktion ist Strategie.

Schritt 4: Timing: Echtzeit ist der Gamechanger

Visualisiere in Echtzeit (nicht in Zeitlupe oder Zeitraffer). Das ist genau der Punkt, an dem die meisten Menschen scheitern. Sie schweifen ab. Wenn du richtig visualisiert, hast du deinen inneren Dialog im Griff. Genau dazu nutzen wir Schritt 2, die tatsächliche Umgebung. Beschleunige nichts, denn damit läufst du Gefahr, ungenau zu sein.
Verlangsame aber auch nichts, denn dabei schweifst du gerne ab oder intensivierst Emotionen an den falschen Stellen.

Schritt 5: Integration – wie gehe ich weiter?

Wenn du am Ende deiner Visualisierung angekommen bist, hast du nicht nur die Situation erlebt, du weißt, welche Schritte als nächstes dran sind. Ich empfehle dir hier, unbedingt dein Journal zur Integration zu nehmen, denn damit verstärkst du deine inneren Bilder und hast gleichzeitig die Kontrolle über deine Gedanken.

Um deine mentalen Bilder nachhaltig im Gehirn zu festigen, ist Journaling ein essenzieller Baustein. Schreibe direkt nach der Visualisierung auf: Welche Gefühle sind aufgekommen? Welche spezifische Reaktion habe ich in der Vorstellung gezeigt? Durch Journaling machst du aus flüchtigen Gedanken feste Vorsätze und steigerst deine Selbstreflexion massiv.

Diese 5 Schritte sind mittlerweile Goldstandard beim klassischen Visualisieren. Lektüre dazu gefällig: Maya Raichoora / PETTLEP Model (basierend auf Holmes & Collins, 2001) 

Wann diese Methode nicht ausreicht

Visualisieren ist ein mächtiges Werkzeug, aber kein Zauberstab. Es ersetzt weder ein solides Geschäftsmodell noch harte Arbeit oder psychologische Hilfe – vor allem nicht bei drohendem Burnout oder Boreout. Wenn tiefliegende Blockaden oder systemische Probleme im Unternehmen vorliegen, ist Visualisierung eine begleitende Unterstützung, aber nicht die alleinige Lösung. 

Visualisieren ist ebenso kein Ersatz für (harte) Arbeit, fundierte Vorbereitung oder echte Strategie. Es hilft dir zwar, deinen Kopf frei zu bekommen oder Klarheit über ein aktuelles Problem zu erlangen, es löst diese aber nicht. Nutze diese Methode, um klarer zu entscheiden – nicht, um Realitäten zu ignorieren.

Schluss mit Druck: So integrierst du Visualisieren in deinem Unternehmer-Alltag

Integriere die Technik in deine Routine. Viele erfolgreiche Gründer nutzen Journaling am Morgen, um ihre Visualisierungen schriftlich festzuhalten und so den Fokus für den Tag zu setzen. Es dauert nur 5 bis 10 Minuten, aber der Effekt auf dein Stresslevel ist immens.

Du hast die Regie über dein inneres Kino. Nutze sie, um gelassener und erfolgreicher zu führen.

Mein Tipp für dich:

Möchtest du direkt starten? Journaling ist der einfachste Weg, um vage Bilder in konkrete Ergebnisse zu verwandeln. Schreib heute Abend drei Sätze darüber auf, wie dein idealer Arbeitstag morgen abläuft – und zwar so, als hättest du ihn gerade schon erfolgreich erlebt.Du willst das genauer? Hol dir hier eine erste, klare Anleitung, wie du visualisieren kannst und sofort klare Ergebnisse erhältst, die du in deinem Business-Alltag umsetzen kannst.

Über die Autorin

Petra R. Lehner ist BusinessMentalCoach mit 30jähriger Erfahrung. Sie hat Menschen in Führungspositionen zu Resilienz und Leadership-Kompetenz begleitet, kennt auch die Seite aus dem Spitzensport (unter anderem mehrere WeltmeisterInnen, EuropameisterInnen, StaatsmeisterInnen zu ihren Titeln begleitet). Ihr Buch “Schluss mit Bullshit-Storys” war in sämtlichen Kategorien über mehrere Wochen auf Platz 1 bei amazon. Unternehmen skalieren ist ein Prozess von “innen nach außen”, also von mental zu real – und genau darum geht´s in den Coachings und Kursen von Petra.
Sie lebt mit ihrer Familie in Salzburg und Coacht online und offline die mentalen und auch wirtschaftlichen Anliegen von UnternehmerInnen. 

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